Amateurfunk: Funk überwindet (fast) jede Grenze
MRMCD2026 – Wolfgang DG9FCP zeigt, warum Amateurfunk auch im digitalen Zeitalter nichts von seiner Faszination verloren hat
„Funk überwindet (fast) jede Grenze“ – unter diesem Titel gab Wolfgang, DG9FCP, beim MRMCD2026 einen persönlichen und technisch vielseitigen Einblick in die Welt des Amateurfunks. Sein Vortrag spannte einen Bogen von den Anfängen der drahtlosen Kommunikation über Morsefunk und die ersten Funkverbindungen bis hin zu modernen digitalen Betriebsarten, Software Defined Radio, Satellitenkommunikation und Datenübertragung.
Dabei wurde schnell klar: Amateurfunk ist längst nicht nur ein Hobby aus vergangenen Zeiten. Gerade die Verbindung von Funktechnik, Informatik, Eigenbau und Experimentierfreude macht den Amateurfunk auch im Jahr 2026 zu einem ausgesprochen vielseitigen technischen Hobby.
Vom Computer zum Amateurfunk
Wolfgang erzählte zunächst von seinem eigenen Einstieg in den Amateurfunk. In den 1980er-Jahren faszinierte ihn als Computerbegeisterten insbesondere die Möglichkeit, Daten über Funk zu übertragen. Während eine Datenverbindung über das Telefon damals mit Akustikkopplern und hohen Telefonkosten verbunden war, bot Packet Radio eine faszinierende Alternative.
1990 legte Wolfgang seine Amateurfunkprüfung ab. Nach einer längeren beruflich bedingten Pause ist er seit 2017 wieder „QRV“ – also aktiv auf den Amateurfunkbändern.
Seine persönliche Geschichte zeigt exemplarisch, wie unterschiedlich die Wege in den Amateurfunk sein können. Während für den einen die Funktechnik im Vordergrund steht, interessieren sich andere vor allem für Computer, digitale Übertragungsverfahren, Antennen, Satelliten oder Notfunk.
Funkgeschichte als Grundlage
Ein Blick zurück zeigte, dass die Geschichte des Amateurfunks eng mit der allgemeinen Entwicklung der Telekommunikation verbunden ist.
Von der leitungsgebundenen Morsetelegrafie über die ersten transatlantischen Kabel bis zu den Experimenten von Heinrich Hertz und Guglielmo Marconi entwickelte sich die drahtlose Kommunikation zu einem völlig neuen Medium. Marconis erste erfolgreiche Funkübertragung über den Atlantik im Jahr 1901 demonstrierte eindrucksvoll, dass Informationen auch ohne Kabel über grosse Entfernungen übertragen werden können.
In Deutschland entwickelte sich der Amateurfunk ab den 1920er-Jahren. Damals mussten Funkamateure ihre Geräte vielfach noch selbst bauen. Die technische Herausforderung war entsprechend gross – gleichzeitig bot gerade der Eigenbau einen besonderen Reiz.
Heute ist die Situation komfortabler: Fertige Funkgeräte, Computer und Software stehen zur Verfügung. Dennoch ist der Eigenbau weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Hobbys.
Von CW bis FT8
Besonders anschaulich wurde der Vortrag bei der Demonstration moderner digitaler Betriebsarten.
Am Beispiel von FT8 zeigte Heenes, wie heute mit sehr kleinen Datenmengen und vergleichsweise geringer Sendeleistung weltweite Funkverbindungen möglich sind. Ein FT8-QSO beschränkt sich dabei im Wesentlichen auf den Austausch von Rufzeichen, Empfangsrapport und Locator.
Was für den Menschen zunächst nur wie ein charakteristisches digitales „Heulen“ klingt, wird durch entsprechende Software unmittelbar dekodiert. Auf dem Bildschirm erscheinen Rufzeichen aus aller Welt – ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie eng Amateurfunk und Informatik inzwischen miteinander verbunden sind.
Software Defined Radio macht Funk erlebbar
Eine weitere faszinierende Möglichkeit sind öffentlich zugängliche Software Defined Radios (SDR). Solche Empfänger stehen an zahlreichen Standorten weltweit und stellen ihre Empfangsdaten über das Internet zur Verfügung.
Damit kann auch jemand ohne eigene Amateurfunklizenz einen Blick in das weltweite Kurzwellengeschehen werfen. Besonders interessant ist dies für Funkamateure, die überprüfen möchten, wo ihre eigenen Signale empfangen werden.
Heenes zeigte anhand eines eigenen FT8-Signals, dass Aussendungen aus Deutschland unter geeigneten Bedingungen bis nach Australien und Neuseeland empfangen werden können. Distanzen von rund 16’000 Kilometern sind dabei keine Seltenheit.
Die Sonne funkt mit
Warum eine Verbindung heute hervorragend funktioniert und wenige Stunden später kaum noch möglich ist, gehört zu den besonderen Reizen des Amateurfunks.
Die Ausbreitung von Kurzwellen hängt unter anderem von Tageszeit, Frequenz und der Aktivität der Sonne ab. Die Ionosphäre ermöglicht dabei weltweite Verbindungen, indem Funkwellen wieder zur Erde zurückgeführt werden können.
Das sogenannte Funkwetter liefert Funkamateuren wichtige Hinweise darüber, auf welchen Bändern aktuell gute Bedingungen zu erwarten sind.
Damit wird die Sonne zu einem Teil des Funkerlebnisses: Wer auf Kurzwelle arbeitet, muss nicht nur sein Funkgerät bedienen, sondern sich auch mit den physikalischen Bedingungen der Wellenausbreitung beschäftigen.
Grenzen überwinden – auch mit fünf Watt
Besonders ist, dass für weltweite Verbindungen nicht zwingend grosse Sendeleistungen notwendig sind.
Wolfgang berichtete von Verbindungen nach Kanada und Brasilien mit lediglich fünf Watt. Gerade bei Contesten entsteht daraus ein besonderer sportlicher Reiz: Mit möglichst wenig Aufwand möglichst viele oder möglichst weit entfernte Stationen zu erreichen.
Dabei zählt nicht nur das Ergebnis. Die eigentliche Faszination liegt darin, zu verstehen, warum eine Verbindung funktioniert – und weshalb sie manchmal eben nicht funktioniert.
Relais, digitale Netze und Satelliten
Auch auf VHF und UHF bietet der Amateurfunk zahlreiche Möglichkeiten. Relaisstationen auf erhöhten Standorten erweitern die Reichweite mobiler und stationärer Funkgeräte erheblich.
Dabei können moderne Systeme sogar Funk, Internet und digitale Netzwerke miteinander verbinden. Ein Funkamateur kann beispielsweise über ein lokales Relais mit einer Station kommunizieren, die sich viele hundert Kilometer entfernt befindet.
Noch weiter geht es mit Amateurfunksatelliten. Hier kommen zusätzliche technische Herausforderungen hinzu: Frequenzen im Gigahertz-Bereich, Antennengewinn, Kabelverluste und die genaue Ausrichtung der Antenne spielen eine wichtige Rolle.
Bilder aus dem Himmel
Amateurfunk kann sogar Bilder übertragen.
Mit SSTV (Slow Scan Television) lassen sich Bilder über Funk übertragen. Heenes berichtete unter anderem von SSTV-Aussendungen aus Ballons und verwies auf die Möglichkeit, auch Signale der Internationalen Raumstation ISS zu empfangen.
Damit wird deutlich, wie vielfältig das Hobby ist: Sprache, Morsezeichen, digitale Daten, Bilder, Positionsdaten und sogar Satellitenkommunikation gehören zum Spektrum.
Funk und Outdoor-Abenteuer
Eine weitere Facette sind portable Funkaktivitäten und Field Days. Funkamateure bauen ihre Stationen dabei beispielsweise auf Bergen oder anderen exponierten Standorten auf.
Antennen werden aufgebaut, Funkgeräte und Verstärker angeschlossen – und natürlich gehört auch die gemeinsame Verpflegung dazu.
Bei Wettbewerben wie Contesten oder speziellen Aktivitäten rund um Burgen, Parks oder Leuchttürme steht neben der Technik auch der sportliche und gesellschaftliche Aspekt im Vordergrund.
Eine weltweite Gemeinschaft
Neben der Technik betonte Wolfgang einen weiteren zentralen Punkt des Amateurfunks: die Gemeinschaft.
Weltweit gibt es mehrere Millionen Funkamateure. Sie kommunizieren über Länder- und Sprachgrenzen hinweg und teilen ihre Begeisterung für Technik, Funk und Experimentieren.
Dabei spielt auch die QSL-Karte nach wie vor eine Rolle – heute zunehmend elektronisch. Sie dokumentiert eine Funkverbindung und wird zum persönlichen Andenken an ein erfolgreiches QSO.
Amateurfunk ist mehr als „einfach nur funken“
Die zentrale Botschaft des Vortrags lässt sich vielleicht so zusammenfassen: Amateurfunk ist nicht deshalb faszinierend, weil moderne Kommunikationsmöglichkeiten fehlen. Im Gegenteil – gerade weil Smartphone und Internet vieles scheinbar mühelos erledigen, bietet der Amateurfunk eine ganz andere Erfahrung.
Es geht darum, selbst etwas aufzubauen, Antennen zu entwickeln, Funkwellen zu beobachten, Ausbreitungsbedingungen zu verstehen, Software einzusetzen und schliesslich eine Verbindung mit einer Station am anderen Ende der Welt herzustellen.
Und genau darin liegt der besondere Reiz: Nicht nur die Information zählt, sondern der Weg, auf dem sie übertragen wird.
Amateurfunk verbindet Technik und Informatik, Theorie und Praxis, Wettbewerb und Gemeinschaft. Er überwindet geografische Grenzen – und manchmal auch die Grenzen dessen, was man mit erstaunlich wenig Leistung technisch erreichen kann.
Lust bekommen?
Wer bisher noch keinen Zugang zum Amateurfunk hatte, muss nicht gleich eine eigene Station aufbauen. Öffentlich zugängliche SDR-Empfänger bieten einen einfachen Einstieg in die Welt des Funkens.
Und wer selbst senden möchte, kann den nächsten Schritt mit der Amateurfunkprüfung machen. Denn eines wurde im Vortrag deutlich: Die notwendigen Kenntnisse sind erlernbar – und die Möglichkeiten nach bestandener Prüfung sind nahezu grenzenlos.
Funk überwindet (fast) jede Grenze. Und genau deshalb ist Amateurfunk auch im Jahr 2026 noch ein faszinierendes Hobby.
Quelle: @mediacccde
