HBBOTA – Funk aus dem Untergrund

Seit dem 17. April 2026 ist die Schweiz offiziell Teil der weltweiten «Bunkers on the Air» (WWBOTA) Bewegung. Mit der Gründung der Schweizer Sektion HBBOTA steht nun ein neues, spannendes Feld für portabel aktive Funkamateure offen, das den klassischen Feldfunk mit einem einzigartigen historischen Erlebnis verbindet.

Das Konzept: Funken im Schatten der Geschichte
Ähnlich wie bei «Summits on the Air» (SOTA) oder «Parks on the Air» (POTA) geht es auch hier darum, eine portable Funkstation an einem definierten, besonderen Standort aufzubauen. Der Unterschied liegt jedoch im Schauplatz: Statt Gipfel oder Naturschutzgebiete sind es hier ehemalige militärische Bunker, Festungswerke und unterirdische Anlagen. Das internationale Dachprogramm «World Wide Bunkers on the Air» koordiniert diese Aktivitäten seit Juni 2025 weltweit und verwaltet eine Referenzliste, die inzwischen über zwei Dutzend Länder umfasst.

Die Schweizer Sektion wurde auf Initiative von Johann HB9HXX und HB9INY ins Leben gerufen. Der Start war symbolisch besetzt: Das Infanteriewerk Etzel Ost erhielt die allererste Referenznummer B/HB-0001. Aktuell sind bereits über 30 Bunker dokumentiert und aktiv gelistet, wobei das Verzeichnis monatlich erweitert wird. Johann Furrer fungiert als nationaler Koordinator für HBBOTA.

Was qualifiziert sich als Bunker?
Nicht jeder unterirdische Raum erfüllt die Kriterien. Ein Standort wird als gültige HBBOTA-Referenz anerkannt, wenn er:
– aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, des Zweiten Weltkriegs oder des Kalten Krieges stammt.
– vom Schweizer Militär errichtet wurde und eine offizielle A-Nummer trägt.
– öffentlich bekannt und zugänglich ist (wobei das Betreten der Anlage nicht zwingend erforderlich ist).

Jeder qualifizierte Bunker erhält eine eindeutige Referenz im Format B/HB-xxxx, die voll kompatibel mit dem globalen WWBOTA-System ist.

Drei Wege der Teilnahme
Die Teilnahme ist offen für lizenzierte Funkamateure und Hörer weltweit, unabhängig von ihrer Rufzeichen-Präfix-Zugehörigkeit:
1. Aktivierer: Errichten eine portable Station direkt am Bunker und arbeiten die Welt an.
2. Jäger (Hunter): Arbeiten die Aktivierungen von zu Hause, mobil oder portabel.
3. SWL: Protokollieren empfangene Verbindungen und reichen diese ein.

Die Regeln im Überblick
HBBOTA ist ausdrücklich kein Contest. Es gibt keine Ranglisten, keinen Zeitdruck und keine festen Betriebszeiten. Der Rapport bleibt klassisch (Rufzeichen, Signalbericht, Referenznummer). Damit eine Aktivierung zählt, gelten folgende Vorgaben:
– Aktivierungszone: Der Betrieb darf bis zu 1000 Meter von den angegebenen Koordinaten entfernt stattfinden (Kreisradius).
– Mindest-QSOs: Auf Kurzwelle (oder gemischtem HF + 2m-Betrieb) sind mindestens 25 Verbindungen nötig. Bei reinem VHF/UHF/SHF-Betrieb genügen 5 QSOs.
– Gültige Kontakte: Nur direkte Funkverbindungen zählen. Relais, Satelliten oder Gateways sind ausgeschlossen.
– Multi-Bunker: Bis zu fünf Bunker können gleichzeitig aktiviert werden, sofern man sich in der Schnittmenge der 1000-Meter-Zonen aller Standorte befindet.
– Multi-Scheme: Kombinierte Aktivitäten mit POTA oder SOTA sind ausdrücklich erwünscht.

Technik und Logging
Die Organisation setzt auf moderne digitale Werkzeuge. Aktivierer nutzen oft die Logging-App «Ham2K PoLo», die Spots direkt an den WWBOTA-Cluster überträgt. Alternativ können Logs per ADIF über den kostenlosen WWBOTA-Logger (wwbota.net) hochgeladen werden. Ein interaktiver Cluster und eine Karte ermöglichen es Jägern und SWLs, Aktivitäten in Echtzeit zu verfolgen und Bunker weltweit zu erkunden.

Ein wichtiger Hinweis: Die Eintragung eines Bunkers in die Liste garantiert kein Zutrittsrecht. Der Zugang und die Sicherheit liegen allein in der Verantwortung des Aktivierers. Aus Gründen der Sicherheit und zum Schutz der historischen Bausubstanz wird empfohlen, sensible oder gesperrte Anlagen nur von ausserhalb der 1000-Meter-Zone zu aktivieren.

Für Outdoor-Funker bietet HBBOTA eine ideale Kombination aus Technik und Geschichte. Wer bereits mit dem POTA-Workflow vertraut ist, findet sich sofort zurecht. Interessierte können sich auf der offiziellen Seite von HBBOTA über Karten, Referenzlisten und Anmeldeformulare informieren. Für Vorschläge neuer Bunker oder zur Mitarbeit steht Johann HB9HXX als Ansprechpartner zur Verfügung.

Für alle, die Funkbetrieb gerne mit einem Stück Zeitgeschichte verbinden, ist der Startschuss gefallen: «CQ BOTA, CQ BOTA!»

Quellen: