Ein Blick zurück in die Geschichte der Flugzeugfunkgeräte – Die Vorkriegs-Command-Sets der 1930er-Jahre

Historische Funktechnik: Wie die ersten kompakten Bordfunkgeräte die militärische Luftfahrt prägten

Wie wurde in Militärflugzeugen eigentlich kommuniziert, bevor die bekannten ARC-5– und SCR-274/N-Funkgeräte während des Zweiten Weltkriegs zum Standard wurden? Dieser spannenden Frage widmet sich eine vierteilige Videoserie über die amerikanischen Flugzeugfunkgeräte der 1930er-Jahre.

Im Mittelpunkt stehen die sogenannten Pre-War Command Sets, insbesondere die Funkgerätefamilien SCR-183 und SCR-283 sowie die dazugehörigen Empfänger der RU-Serie.

In den frühen 1930er-Jahren befand sich die militärische Luftfahrt in einer rasanten technischen Entwicklung. Flugzeuge wurden schneller, leistungsfähiger und zunehmend auch für taktische Einsätze eingesetzt. Damit stieg die Bedeutung einer zuverlässigen Funkverbindung zwischen Flugzeugen, Flugplätzen und Flugzeugträgern. Die damaligen Funkgeräte mussten kompakt, leicht, robust und möglichst einfach zu bedienen sein.

Die Anforderungen waren anspruchsvoll: Neben der Sprachübertragung in AM sollten auch Morsezeichen in CW und moduliertem CW (MCW) möglich sein. Die Reichweite betrug je nach Betriebsart und Flugzeuginstallation etwa 40 Kilometer bei Sprachübertragung und konnte im CW-Betrieb bis zu 120–160 Kilometer erreichen.

SCR-183 und SCR-283 – Die Funktechnik einer vergangenen Epoche

Die Geräte wurden Anfang der 1930er-Jahre entwickelt und unter anderem von Western Electric und der Aircraft Radio Corporation (ARC) hergestellt. Sie kamen sowohl bei der US Army Air Corps als auch bei der US Navy zum Einsatz.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Ausführungen lag in der Bordspannung. Während die SCR-183-Serie für 12–14 Volt ausgelegt war, verwendete die SCR-283-Serie die damals zunehmend verbreitete Bordspannung von 24–28 Volt.

Die Sender waren vergleichsweise einfache Röhrengeräte. Typisch war eine MOPA-Schaltung (Master Oscillator Power Amplifier), bei der ein Oszillator direkt eine nachgeschaltete HF-Endstufe ansteuerte. Zwei parallel geschaltete VT-52-Trioden sorgten für die Anodenmodulation des Sendesignals. Die verwendeten Steckspulen ermöglichten verschiedene Frequenzbereiche zwischen ungefähr 2 und 8 MHz.

Ein interessantes Beispiel ist der Western-Electric-Sender BC-AR-430. Er gehört zur SCR-283-Familie und liefert eine bescheidene Sendeleistung von wenigen Watt. Seine einfache, aber robuste Konstruktion zeigt eindrücklich, mit welchen Mitteln die Funktechnik damals realisiert wurde.

Welche Flugzeuge waren damit ausgerüstet?

Die Vorkriegsgeräte fanden in zahlreichen bekannten Militärflugzeugen Verwendung. Dazu gehörten unter anderem die Grumman F3F, die Curtiss P-40 Warhawk, frühe Lockheed P-38 Lightning und Bell P-39 Airacobra.

Auch die frühen B-17-Bomber sowie die North American B-25B Mitchell, die beim berühmten Doolittle-Angriff auf Tokio im April 1942 eingesetzt wurden, verfügten ursprünglich über solche ältere Funktechnik.

Besonders interessant ist die Funkkonfiguration der 16 B-25B-Bomber des Doolittle-Angriffs. Um möglichst viel Gewicht einzusparen und die Einsatzreichweite zu erhöhen, wurde ein grosser Teil der nicht unbedingt benötigten Ausrüstung entfernt. Dazu gehörten auch umfangreiche Funkanlagen. Nach den im Video erläuterten Recherchen blieb die ältere SCR-183-Kommandofunkausrüstung erhalten. Durch das Entfernen der Sendespulen konnte zudem sichergestellt werden, dass die Flugzeuge während des Anflugs weitgehend Funkstille hielten.

Der RU-18 – Ein Empfänger aus dem Jahr 1941

Ein weiterer Schwerpunkt der Videoserie ist der Empfänger RU-18 der Aircraft Radio Corporation. Dieses Gerät wurde 1941 gefertigt und gehört zu den späten Ausführungen der RU-Empfängerfamilie.

Technisch besonders interessant ist sein Empfangsprinzip: Statt eines Superheterodynempfängers kommt eine sogenannte TRF-Schaltung (Tuned Radio Frequency) zum Einsatz. Dabei werden mehrere abgestimmte HF-Verstärkerstufen gemeinsam auf die gewünschte Empfangsfrequenz eingestellt.

Drei Pentoden vom Typ 78 übernehmen die HF-Verstärkung. Weitere Röhren dienen der Detektion, der automatischen Verstärkungsregelung sowie der BFO- und NF-Funktion. Für unterschiedliche Frequenzbereiche stehen austauschbare Spuleneinsätze zur Verfügung. Je nach Spulensatz reicht der Empfangsbereich von Langwellenfrequenzen bis in den Kurzwellenbereich von mehreren Megahertz.

Im dritten Teil der Serie wird ein nahezu unbenutzter RU-18 aus einem NOS-Bestand (New Old Stock) vorsichtig wieder in Betrieb genommen. Dazu gehören die Prüfung der Röhren, die Reinigung der Kontakte, die Kontrolle der Verkabelung und das schrittweise Hochfahren der Versorgungsspannung. Schliesslich gelingt es, verschiedene Rundfunk- und Amateurfunksignale zu empfangen.

Dynamotoren – Stromversorgung mit mechanischer Raffinesse

Der vierte Teil widmet sich einem weiteren faszinierenden Aspekt historischer Flugzeugfunktechnik: den Dynamotoren.

Da die Bordnetze der Flugzeuge Gleichspannung mit lediglich 12 oder 24 Volt lieferten, benötigten die Röhrengeräte eine deutlich höhere Anodenspannung. Dynamotoren lösten dieses Problem auf mechanischem Weg. Im Prinzip handelt es sich um einen Gleichstrommotor, der mit einem Generator auf derselben Welle gekoppelt ist. So konnten aus einer niedrigen Gleichspannung mehrere hundert Volt erzeugt werden.

Diese kompakten DC/DC-Wandler erreichten Wirkungsgrade von ungefähr 50 bis 65 Prozent. Allerdings benötigten sie regelmässige Wartung. Lager, Bürsten und Kollektoren mussten kontrolliert und gereinigt werden. Besonders bemerkenswert ist der hohe Anlaufstrom, der ein entsprechend leistungsfähiges Netzteil oder eine geeignete Batterieversorgung erforderte.

Im Video wird ein historischer Dynamotor sorgfältig überprüft, gereinigt und neu geschmiert. Anschliessend gelingt es, den RU-18 mit der originalen Dynamotor-Technik zu betreiben.

Ein Stück Funkgeschichte

Mit der Einführung der ARC-5- und SCR-274/N-Kommandogeräte während des Zweiten Weltkriegs begann eine neue Ära der Flugzeugfunktechnik. Die neuen Systeme waren leistungsfähiger, kompakter und boten deutlich bessere Empfangs- und Übertragungseigenschaften.

Die älteren SCR-183- und SCR-283-Geräte gerieten dadurch rasch ins Abseits. Dennoch sind sie ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung der militärischen Kommunikation.

Die vierteilige Videoserie vermittelt nicht nur einen hervorragenden Einblick in die damalige Technik, sondern zeigt auch, wie viel Wissen, handwerkliches Geschick und Begeisterung notwendig sind, um solche historischen Geräte wieder funktionsfähig zu machen.

Für Funkamateure und Liebhaber historischer Röhrentechnik ist diese Reise in die Vergangenheit besonders sehenswert. Sie zeigt eindrücklich, wie die Grundlagen der modernen mobilen Funkkommunikation bereits vor dem Zweiten Weltkrieg gelegt wurden.

Die vier Videos zur Beitragsveröffentlichung
Beitragsquelle: YouTube @MIKROWAVE1