Wo sind die jungen Funkamateure? – Gedanken zum Nachwuchs in der Schweiz

Vertreiben die Alten den Nachwuchs? Diese Frage stellte Michael, DL2YMR, in einem aktuellen Video. Ausgelöst durch eine Diskussion auf Reddit, in der ein Funker Mitte 20 fragte, wo er andere junge Funkamateure findet, ist eine hitzige Debatte entbrannt. Die Antwort ist ernüchternd, aber auch ermutigend: Vielleicht haben wir gar kein Nachwuchsproblem, sondern ein Zugangs- und Sichtbarkeitsproblem.

Und genau darüber sollten wir auch in der Schweiz nachdenken.

Nicht gegen das Smartphone, sondern mit der Technik

Das alte Argument „Mit Amateurfunk kannst du die ganze Welt erreichen» verliert 2026 an Wirkung. Smartphones bieten das Gleiche – besser, billiger und ohne Antennen.

Doch hier endet die Konkurrenz. Der wahre Reiz des Amateurfunks beginnt dort, wo das Smartphone versagt:

  • Wie baue ich eine Verbindung ohne Mobilfunknetz auf?
  • Wie funktioniert eine selbstgebaute Antenne?
  • Wie verbinde ich einen Raspberry Pi oder SDR mit dem Funk?
  • Wie weit komme ich mit 5 Watt auf einem Berggipfel?

Genau hier liegt die Faszination: Selbstbau, Experimentieren und Resilienz.

Technikinteressierte sind da, sie heben nur anders an

Viele junge Menschen bauen Drohnen, programmieren Mikrocontroller, basteln an LoRa-Netzwerken oder experimentieren mit Satelliten. Sie nennen sich nicht unbedingt „Funkamateure», aber ihr Interesse an Technik ist riesig.

Die Frage ist nicht, ob wir Nachwuchs haben. Die Frage ist: Schaffen wir die Brücke zwischen diesen Interessen und dem Amateurfunk? Vielleicht sitzt der nächste junge Funker gar nicht vor einem klassischen Transceiver, sondern programmiert gerade seinen ersten ESP32 oder baut eine POTA-Antenne.

Die Probleme in Deutschland (starre Bürokratie, lange Wartezeiten) kennen wir hier auch, doch die Schweiz hat entscheidende Vorteile:

  1. Der Einstieg: Die HB-3 Novizen Lizenz bietet einen niederschwelligen Start (auch wenn es ein paar Fragen mehr sind). Die Prüfung ist oft schneller und flexibler als im Ausland.
  2. Die Geografie: Die Schweiz ist ein Paradies für POTA, SOTA und BOTA. Für junge, abenteuerlustige Menschen ist der Amateurfunk hier nicht nur ein Hobby, sondern eine Aktivität in der Natur.
  3. Die Infrastruktur: Die Registrierung des Rufzeichens erfolgt oft schneller als in Deutschland.

Doch die Hürden bleiben: Wer in einer Mietwohnung wohnt, darf oft keine Antenne aufstellen. Die Lösung: Wir müssen Einsteigern nicht mit der „perfekten Station» auf dem Dach konfrontieren. Der Einstieg beginnt mit einem kleinen QRP-Transceiver, einer einfachen Loop-Antenne am Fenster oder einem ersten Satellitenkontakt. Erleben statt Theoretisieren.

Vom Stammtisch zum Projekt

Viele junge Funker scheitern in den Sektionen (OVs). Veraltete Webseiten, unbeantwortete E-Mails oder Gruppen, die nur über die „gute alte Zeit» philosophieren, schrecken ab.

Das bedeutet nicht, dass alle Vereine schlecht sind. Aber es ist eine Einladung zur Selbstkritik:

Ein kleiner Satellitenkontakt, eine SSTV-Bildübertragung oder ein gemeinsamer Bastelabend überzeugen mehr als jedes theoretische Plädoyer.

Das ist doch kein richtiger Amateurfunk!

Ein häufiges Problem ist der Umgang mit neuen Technologien. FT8, Meshtastic, SDR oder digitale Betriebsarten werden von manchen als „nicht echt» abgetan. Ein junger Mensch, der über digitale Technik zum Funk kommt, ist kein schlechterer Funkamateur. Vielleicht interessiert er sich gar nicht für CW oder SSB. Vielleicht ist sein Weg der über Satelliten, IoT-Netzwerke oder Software-defined Radio. Wir sollten diese Entwicklung ermöglichen, nicht schon am Anfang mit „Das ist nicht richtig»-Argumenten bremsen.

Die Chance der Novizen Lizenz nutzen

Die HB3 Novizen Lizenz ist ein Türöffner. Doch was passiert nach der Prüfung?

  • Kauft jemand ein Gerät, hört auf dem Relais nichts und weiss nicht weiter?
  • Verschwindet das Gerät dann in der Schublade?

Wir müssen neue Funkamateure nicht nur prüfungsfit, sondern funkaktiv machen. Der erste Kontakt, das erste eigene Projekt, das erste Erfolgserlebnis – das hält die Motivation am Leben.

Weg vom Suchen, hin zum Zeigen

Vielleicht müssen wir den Nachwuchs gar nicht mehr suchen. Die Frage lautet: „Was würde einen jungen Menschen heute dazu bringen, Funkamateur werden zu wollen?»

Die Antwort ist individuell: Für den einen ist es die Technik, für die andere die Berge, für jemanden die digitale Welt. Wir müssen nicht jünger wirken. Wir müssen nur offen, neugierig und bereit für Neues bleiben.

Was können wir konkret tun?

  • Ansprechende, moderne Webseiten.
  • Schnelle Antworten auf Anfragen.
  • Praktische Projekte statt reiner Theorie.
  • Akzeptanz für digitale und moderne Betriebsarten.
  • Aktivitäten, die auch für Mieter und ohne riesige Antennen möglich sind.
  • Öffentlichkeitsarbeit wie zB. tunZentralschweiz  an welcher wir im 2027 wieder präsent sein werden.
  • Mitarbeit an unserer vielseitigen Infrastruktur

Lassen wir uns nicht von der Vergangenheit definieren. Der Amateurfunk ist mehr als nur alte Männer und lange Drähte. Er ist Technik, Experimentierfreude und Gemeinschaft.

Lasse uns diese Vielfalt zeigen. Der Amateurfunk hat im 2026 noch immer unglaublich viel zu bieten – wenn wir es den Menschen nur zeigen.


Als Inspiration diente das Video von Michael, DL2YMR, und die Diskussion auf Reddit.