Wachsender Druck auf das 70-cm-Band: IARU warnt vor kommerziellen Satelliten

Ein neues Konferenzpapier der IARU Region 1 rückt den wachsenden Nutzungsdruck auf das Amateurfunkband 430–440 MHz (70 cm) in den Fokus der internationalen Debatte. Im Zentrum steht die Genehmigung der US-Behörde FCC für das kommerzielle Satellitensystem „AST SpaceMobile», die nun als Vorlage für eine grundlegende Diskussion über den Schutz von Amateurfunkfrequenzen im UHF-Bereich dient.

Die 27. Generalkonferenz der IARU Region 1, die vom 19. bis 23. September 2026 in Wien stattfinden wird, soll über die Empfehlungen des britischen Amateurfunkverbandes RSGB beraten. Das eingereichte Papier (VI26_C5_11) thematisiert nicht nur den Einzelfall AST SpaceMobile, sondern identifiziert eine neue Gruppe von Gefährdungen für das Amateurfunkband. Dazu zählen neben kommerziellen Satellitenkonstellationen auch weitere nicht dem Amateurfunk zugeordnete Satelliten, Mobilfunkinteressen und leistungsstarke Radarsysteme.

Die FCC hat AST SpaceMobile zwar erlaubt, fünf spezifische Frequenzen (430,5; 432,3; 434,1; 435,9 und 439,5 MHz) für Telemetrie, Bahnverfolgung und Steuerung (TT&C) zu nutzen. Diese Genehmigung ist jedoch streng begrenzt: Sie gilt primär für Notfälle, in denen andere Frequenzbereiche nicht verfügbar sind, und darf höchstens 24 Stunden andauern. Zudem ist der Betrieb außerhalb der USA an die Zustimmung der jeweiligen nationalen Behörden gebunden. Dennoch kritisiert die IARU, dass durch die Anwendung des Artikels 4.4 der ITU-Vollzugsordnung ein kommerzielles System Zugang zu Frequenzen erhält, die international nicht für diesen Zweck vorgesehen sind.

Das Papier weist darauf hin, dass Satellitensendungen keine nationalen Grenzen respektieren und selbst geringe Sendeleistungen bei einer großen Konstellation von bis zu 248 Satelliten weite Gebiete in Europa beeinträchtigen können. Besonders sensible Anwendungen wie Relaisfunk, digitale Übertragungsverfahren und schwache Signale im 70-cm-Band könnten betroffen sein.

Für die Funkamateure bedeutet dies, dass Anträge für Satelliten und Bodenstationen, die das 70-cm-Band berühren, künftig noch genauer verfolgt werden müssen. Die IARU fordert eine koordinierte Reaktion der nationalen Verbände, um Genehmigungsverfahren frühzeitig zu beeinflussen, bevor diese abgeschlossen sind.

Die Beratungen in Wien werden zeigen, ob sich die IARU Region 1 zu gemeinsamen Empfehlungen für den Schutz des UHF-Spektrums durchringen kann. Der Fall AST SpaceMobile hat sich damit von einer nationalen US-Entscheidung zu einer grundsätzlichen Frage der internationalen Frequenzpolitik entwickelt.

Quellen: IARU Region 1 Konferenzpapier VI26_C5_11 „UHF Spectrum Situation», FCC Genehmigung DA 26-391, RSGB Spectrum Forum. DARC R14