Tuneping: Was läuft gerade im Internetradio?
Tuneping: Was läuft gerade im Internetradio? Ein Schweizer Projekt macht Radiometadaten offen zugänglich
Ein Schweizer Entwickler macht sichtbar, welche Musik und Sendungen aktuell auf zehntausenden Internetradiostationen laufen. Mit Tuneping entsteht ein frei zugänglicher Live-Index, der Radiometadaten sammelt, auswertet und über eine offene Programmierschnittstelle (API) bereitstellt – ohne dabei Audio aufzuzeichnen oder zu speichern.
Wer heute Internetradio hört, sieht im Player häufig nicht nur den Namen des Senders, sondern auch den gerade gespielten Titel und Interpreten. Diese Informationen werden von vielen Radiostationen direkt über den Stream oder einen öffentlich zugänglichen Server-Status bereitgestellt. Hier setzt das Schweizer Projekt Tuneping an.
Der unabhängige Entwickler Victor Antofica hat mit Tuneping einen Dienst aufgebaut, der diese Metadaten automatisiert erfasst und in einer durchsuchbaren Datenbank zusammenführt. Ziel ist ein möglichst aktuelles Bild davon, was auf Internetradiostationen weltweit gerade zu hören ist.
Über 82’000 Radiostationen im Verzeichnis
Die Zahlen zeigen die Dimension des Projekts: Gemäss dem Status vom 4. November 2026 führt Tuneping über 82’000 Radiostationen im Verzeichnis. Davon werden mehr als 62’500 regelmässig abgefragt. Bei rund 23’600 Stationen stehen aktuell Informationen zu den gespielten Titeln zur Verfügung.
Die Abfragen erfolgen in Intervallen von 20 bis 60 Sekunden. Dabei werden lediglich kleine Datenmengen übertragen. Tuneping liest entweder einen öffentlich zugänglichen Status-Endpunkt des Streamingservers oder die Metadaten direkt aus dem Datenstrom.
Ein typischer Metadateneintrag sieht beispielsweise so aus:
`StreamTitle=’Madonna – Holiday›;`
Aus solchen Angaben versucht Tuneping, Interpret und Titel herauszulösen, zu vereinheitlichen und nach Möglichkeit mit Einträgen der Musikdatenbank MusicBrainz zu verknüpfen.
- ive-Suche und Stationsverzeichnis:** [https://tuneping.com](<https://tuneping.com>)
- API-Dokumentation:** über die Website von Tuneping erreichbar
- Technische Informationen zum TunepingBot:** [https://tuneping.com/bot/](<https://tuneping.com/bot/>)

Interessant ist nicht nur, was gespielt wird
Die gesammelten Informationen lassen sich auf verschiedene Arten nutzen:
- Live-Suche: Wer spielt gerade einen bestimmten Titel oder Interpreten? Eine Suchanfrage liefert passende Radiostationen.
- Sendeverlauf: Die abgespielten Titel einer Station können zeitlich nachvollzogen werden. Je nach Abonnement stehen zehn oder 30 Tage Verlauf zur Verfügung.
- Airplay-Auswertung: Es lässt sich untersuchen, auf welchen Stationen und in welchen Ländern ein Interpret gespielt wird.
- Wunschlisten und Benachrichtigungen: Nutzer können bestimmte Titel oder Interpreten beobachten und sich über neue Treffer informieren lassen.
- Stationsverzeichnis: Radiostationen können nach verschiedenen Eigenschaften wie Land, Codec und Art der Metadatenabfrage gesucht werden.
Damit eröffnet Tuneping auch Möglichkeiten für Entwickler, Radiobetreiber und Datenanalysten, die bisher häufig auf kommerzielle Monitoring-Dienste angewiesen waren.
Technisch interessant: Eine offene JSON-API
Für technisch interessierte Anwender dürfte insbesondere die API interessant sein. Sie stellt die erfassten Daten in einem maschinenlesbaren JSON-Format zur Verfügung.
Bereits ohne kostenpflichtiges Abonnement sind verschiedene Funktionen nutzbar. Dazu gehören die Live-Suche, aktuelle Titelinformationen für mehrere Stationen, das Stationsverzeichnis sowie die Suche nach Titeln und Interpreten.
Die kostenlose Nutzung erlaubt bis zu 1’000 API-Anfragen pro Tag. Für umfangreichere Anwendungen gibt es kostenpflichtige Angebote mit erweiterten Abfragekontingenten, längeren Wiedergabeverläufen und zusätzlichen Funktionen wie Webhooks.
Die API eröffnet beispielsweise die Möglichkeit, eigene Dashboards, Visualisierungen oder Monitoring-Anwendungen zu entwickeln. Auch automatisierte Auswertungen über das Musikprogramm verschiedener Radiostationen werden dadurch möglich.
Datenschutz und Rücksicht auf die Radiostationen
Ein wesentlicher Punkt des Projekts ist die Beschränkung auf Metadaten. Tuneping zeichnet keine Audiosignale auf, erstellt keine Hörproben und verwendet keine Audio-Fingerprinting-Technologie. Die übertragenen Audiodaten werden nicht gespeichert oder weitergeleitet.
Auch beim regelmässigen Abrufen der Informationen achtet der Dienst auf einen möglichst schonenden Betrieb. Pro Streamingserver sind maximal zwei gleichzeitige Verbindungen vorgesehen. Zudem werden Angaben wie `robots.txt` und `Retry-After` berücksichtigt.
Radiobetreiber können ihre Station jederzeit in das Verzeichnis aufnehmen lassen oder eine Entfernung beantragen. Ein entsprechender Ausschluss soll innerhalb von 24 Stunden wirksam werden.

Grenzen der Datenerfassung
Tuneping weist selbst auf einige Einschränkungen hin. Nicht alle Radiostationen übertragen aussagekräftige Titelinformationen. Manche senden lediglich ihren Stationsnamen, einen Werbeslogan oder überhaupt keine Metadaten.
Auch die Zeitangaben sind nicht sekundengenau: Da die Stationen nur periodisch abgefragt werden, lässt sich der tatsächliche Beginn eines Titels lediglich schätzen. Je nach Erfassungsmethode liegt die Unsicherheit bei ungefähr 10 bis 30 Sekunden.
Die erfassten Wiedergaben sind deshalb nicht mit einem zertifizierten Radiomonitoring gleichzusetzen. Sie zeigen, was anhand der verfügbaren Stationsmetadaten erkannt werden konnte.
Ein Blick über den klassischen Rundfunk hinaus
Für Funkamateure ist das Projekt auch aus technischer Sicht interessant. Es zeigt, wie sich öffentlich verfügbare Informationen aus vernetzten Streamingdiensten automatisiert erfassen, strukturieren und über offene Schnittstellen wieder nutzbar machen lassen.
Die Kombination aus regelmässiger Datenerfassung, Normalisierung, Datenbank und API ist ein anschauliches Beispiel für moderne internetbasierte Datenverarbeitung.
Tuneping ist zwar kein klassisches Amateurfunkprojekt und überwacht keine Kurzwellen- oder VHF/UHF-Funkfrequenzen. Die dahinterstehende technische Idee – Datenquellen systematisch erfassen und für eigene Anwendungen verfügbar machen – dürfte aber auch in der Amateurfunk-Community auf Interesse stossen.
Links und weitere Informationen
- Tuneping: https://tuneping.com/
- Preise und API-Abonnemente: https://tuneping.com/#pricing
Tuneping ist ein Schweizer Projekt zur Erfassung und Bereitstellung von Metadaten aus Internetradiostationen. Über eine offene API können die verfügbaren Informationen zu laufenden Titeln und Radiostationen abgerufen und für eigene Anwendungen weiterverwendet werden. Die Datenerfassung beschränkt sich dabei auf Metadaten; Audiosignale werden weder aufgezeichnet noch gespeichert.
