Meshtastic oder MeshCore?
Meshtastic oder MeshCore – zwei Wege zum eigenen LoRa-Mesh
LoRa-Mesh-Netze ermöglichen Kommunikation über grössere Distanzen mit vergleichsweise wenig Energie. Doch welches System eignet sich besser für den eigenen Aufbau: Meshtastic oder MeshCore?
Im YouTube-Kanal „Bildungskanal der Technik“ mit rund 22’600 Abonnenten wird genau dieser Frage nachgegangen. Der Autor hat verschiedene LoRa-Endgeräte zusammengestellt und vergleicht insbesondere Meshtastic und MeshCore. Beide Systeme nutzen LoRa-Funk, verfolgen beim Aufbau und Betrieb eines Mesh-Netzes jedoch unterschiedliche Konzepte.
Meshtastic: Das spontane Mesh
Bei Meshtastic können die Endgeräte untereinander Nachrichten weiterleiten. Ein Teilnehmer muss dabei nicht zwingend wissen, über welche Route eine Nachricht ihr Ziel erreicht.
Vereinfacht könnte eine Nachricht beispielsweise von Gerät A über B und C bis zum Zielgerät M weitergereicht werden. Welche Geräte dabei zum Einsatz kommen, ergibt sich aus der vorhandenen Netzstruktur.
Dieser Ansatz eignet sich laut dem Videobeitrag besonders für:
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Gruppen und gemeinsame Aktivitäten
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Wanderungen und Outdoor-Unternehmungen
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Fahrzeug- und Reisegruppen
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experimentelle Funknetze
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einen möglichst unkomplizierten Einstieg ohne eigene Infrastruktur
Je mehr geeignete Knoten vorhanden sind, desto mehr Möglichkeiten bestehen für die Weiterleitung von Nachrichten.
MeshCore: Infrastruktur mit Relais
MeshCore verfolgt einen stärker infrastrukturbasierten Ansatz. Eine wichtige Rolle spielen dabei gezielt eingesetzte Relais beziehungsweise Repeater.
Anstatt dass jedes Endgerät permanent als Router für andere Teilnehmer arbeitet, können fest installierte Relais die Weiterleitung übernehmen. Ein möglicher Übertragungsweg wäre beispielsweise:
Teilnehmer A → Relais 1 → Relais 2 → Teilnehmer M
Dieser Ansatz kann insbesondere bei grösseren oder stärker frequentierten Netzen interessant sein. Werden viele Teilnehmer aktiv, müssen nicht zwangsläufig sämtliche Endgeräte gleichzeitig als Weiterleitungsknoten fungieren.
Der entscheidende Faktor: die begrenzte LoRa-Kapazität
LoRa punktet mit hoher Reichweite bei vergleichsweise geringem Energieverbrauch. Gleichzeitig ist die verfügbare Datenrate gering und der Funkkanal nicht beliebig belastbar.
Mit zunehmender Anzahl aktiver Teilnehmer kann deshalb die Frage wichtiger werden, welche Geräte welche Nachrichten weiterleiten.
In einem kleinen Mesh kann das flexible Weiterleiten sehr gut funktionieren. In einem grösseren und stark ausgelasteten Netz können dagegen unnötige Mehrfachübertragungen zusätzliche Funkzeit beanspruchen.
Genau hier liegt einer der wesentlichen konzeptionellen Unterschiede zwischen Meshtastic und MeshCore.
Die Reichweite bleibt eine Frage der Funktechnik
Ein wichtiger Punkt aus dem Video: MeshCore besitzt nicht grundsätzlich eine grössere LoRa-Reichweite als Meshtastic.
Die physikalische Reichweite wird weiterhin durch Faktoren wie
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Frequenz
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Antenne
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Sendeleistung
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Gelände
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Bebauung
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Standort und Höhe der Antenne
bestimmt.
Der Unterschied liegt daher weniger in der eigentlichen Reichweite eines einzelnen LoRa-Links, sondern darin, wie diese Reichweite innerhalb des Netzes genutzt wird.
Interessant für Besitzer entsprechender LoRa-Hardware
Im Beitrag wird unter anderem der Seeed Studio SenseCAP M5 beziehungsweise die entsprechende M5-Hardware thematisiert. Das Gerät basiert auf einem ESP32-S3 und kann je nach Firmware mit unterschiedlichen Mesh-Systemen betrieben werden.
Wichtig dabei: Ein Gerät kann nicht gleichzeitig Meshtastic und MeshCore verwenden. Die eingesetzte Firmware bestimmt, welches Protokoll beziehungsweise System auf dem Gerät läuft.
Wer von Meshtastic zu MeshCore wechseln möchte, muss deshalb die entsprechende Firmware flashen. Der M5 kann dabei nicht nur als mobiles Endgerät, sondern auch als Basis für ein Relais eingesetzt werden.
Zwei Systeme, zwei Einsatzkonzepte
Der Videobeitrag kommt letztlich zu einer interessanten Einschätzung: Meshtastic und MeshCore müssen nicht unbedingt als direkte Konkurrenten betrachtet werden. Beide versuchen, ein ähnliches Grundproblem zu lösen, gehen dabei aber unterschiedliche Wege.
Meshtastic erscheint insbesondere dann interessant, wenn ein möglichst spontanes und flexibles Mesh ohne grössere Infrastruktur entstehen soll.
MeshCore wird dagegen interessant, wenn ein strukturiertes Funknetz mit definierten Relaisstandorten aufgebaut werden soll und die Anzahl der Teilnehmer beziehungsweise die Auslastung des Funkkanals stärker ins Gewicht fällt.
Für Funkamateure dürfte gerade dieser infrastrukturelle Aspekt spannend sein: Wo sollte ein Relais stehen? Welche Standorte bieten eine gute Funkabdeckung? Wie viele Teilnehmer kann ein Kanal sinnvoll bedienen? Und wie lässt sich die vorhandene LoRa-Funkzeit möglichst effizient nutzen?
Die Gegenüberstellung zeigt, dass es nicht die eine universelle Lösung für jedes LoRa-Mesh gibt. Entscheidend ist vielmehr der geplante Einsatzzweck.
Wer zunächst mit Freunden experimentieren oder ohne grosse Infrastruktur ein Mesh aufbauen möchte, findet bei Meshtastic einen naheliegenden Ansatz. Wer hingegen über ein regionales Netz mit strategisch platzierten Relais nachdenkt, kann MeshCore als interessantes Konzept betrachten.
Für den Amateurfunk ist vor allem eines spannend: Beide Systeme bieten eine Möglichkeit, mit moderner, energiearmer LoRa-Technik eigene Funknetze aufzubauen und dabei praktische Erfahrungen mit Routing, Relaisstandorten, Netzwerkauslastung und Funkabdeckung zu sammeln.
Der vollständige Vergleich und die praktischen Erfahrungen des Autors sind im verlinkten YouTube-Beitrag des Bildungskanals der Technik zu sehen.
Quelle: YouTube Bildungskanal der Technik
