Einfache Prüfung auf Gleichtaktströme im Koaxkabel
Gleichtaktströme auf der Aussenseite des Koaxialkabels gehören zu den häufigsten Ursachen für Störungen in Amateurfunkstationen. Sie können zu fehlerhaften SWR-Anzeigen, Problemen beim Antennentuner und erhöhtem Störpegel führen. Ein aktuelles Video von Peter Waters (Waters & Stanton) zeigt eine einfache Methode, um festzustellen, ob ein Mantelwellensperre (Common-Mode-Choke) erforderlich ist oder bereits wirksam arbeitet.
Warum entstehen Gleichtaktströme?
Idealerweise fliesst die HF-Energie im Inneren des Koaxialkabels zwischen Innenleiter und Innenseite des Schirms. Ist die Antenne jedoch nicht perfekt angepasst oder unsymmetrisch gespeist, können HF-Ströme auf der Aussenseite des Kabelmantels entstehen.
Die Folgen können unter anderem sein:
- verfälschte SWR-Messungen,
- Schwierigkeiten beim automatischen Antennentuner,
- unerwünschte HF-Abstrahlung im Shack,
- Aufnahme von lokalen Störungen über den Kabelmantel.
Aus diesem Grund setzen viele Funkamateure Mantelwellensperren oder sogenannte Line Isolators ein.
Der einfache Praxistest
Im Video wird eine einfache Prüfmethode vorgestellt. Dabei wird während einer Messung mit einem Antennenanalysator oder einem SWR-Meter der Aussenmantel des Koaxkabels in der Nähe des Transceivers kurz berührt.
Ändern sich dabei Resonanzkurven oder der angezeigte SWR-Wert leicht, deutet dies darauf hin, dass Gleichtaktströme auf der Aussenseite des Koaxkabels fliessen. Bleibt die Anzeige unverändert, arbeitet die vorhandene Mantelwellensperre wahrscheinlich ausreichend oder es treten kaum relevante Gleichtaktströme auf.
Der Test sollte ausschliesslich mit sehr geringer Sendeleistung beziehungsweise während einer Messung mit einem Antennenanalysator durchgeführt werden.
Mantelwellensperre selbst bauen
Als Beispiel zeigt Peter Waters eine einfache Mantelwellensperre aus einem Ferritkern des Typs FT240-43, auf den mehrere Windungen eines kurzen Koaxkabels aufgewickelt werden. Solche Chokes lassen sich mit geringem Aufwand selbst herstellen und sind auf vielen Amateurfunkbändern sehr effektiv.
Interessante Beobachtung
Eine weitere Beobachtung betrifft lange Koaxleitungen, die über den Boden verlegt sind. Durch die kapazitive Kopplung zum Erdreich können Gleichtaktströme teilweise bereits auf dem Leitungsweg abgebaut werden. Dadurch erreicht unter Umständen deutlich weniger unerwünschte HF den Transceiver. Gegen eingekoppelte Störungen auf dem Koaxmantel schützt dieser Effekt allerdings nur eingeschränkt.
Die vorgestellte Prüfmethode bietet eine schnelle Möglichkeit, die Wirksamkeit einer Mantelwellensperre zu kontrollieren oder überhaupt festzustellen, ob Gleichtaktströme vorhanden sind. Auch wenn sie keine messtechnische Analyse ersetzt, eignet sie sich gut als einfacher Praxistest im heimischen Shack.
Wer regelmässig mit Endfed-Antennen oder anderen unsymmetrischen Antennensystemen arbeitet, sollte die Funktion seiner Mantelwellensperre gelegentlich überprüfen. Bereits kleine Änderungen der SWR-Anzeige können wertvolle Hinweise auf vorhandene Gleichtaktströme liefern.
Quelle: YouTube @watersstanton
