Der BBC-Hijack von 1976 – Ein fast vergessenes Kapitel der Rundfunkgeschichte
In diesem Video wird ein weitgehend unbekannter, aber spektakulärer Vorfall aus der britischen Rundfunkgeschichte beleuchtet: die Übernahme eines BBC-Programms im Jahr 1976 durch eine Gruppe technisch versierter Radio-Piraten. Es handelt sich um den ersten bekannten Fall, bei dem ein BBC-Programm mit BBC-eigener Sendeinfrastruktur gekapert wurde.
Im Sommer 1976 wurde während der Sendung von John Peel auf BBC Radio 1 das reguläre Programm abrupt unterbrochen. Stattdessen hörten Zuhörer in weiten Teilen Südenglands rund 35 Minuten lang Musik, Satire und Spoof-Beiträge – ausgestrahlt von einer illegalen Sendestation, die gezielt den Off-Air-Zubringer des BBC-Senders Rowridge auf der Isle of Wight überlagerte.
Die Täter nutzten eine raffinierte technische Schwachstelle: Der Sender Rowridge bezog sein Signal nicht über eine feste Leitung, sondern per Funk von einem Hauptsender in Kent. Mit einem kleinen, leistungsstarken Sender, einer Kassette und einer Zeitschaltuhr gelang es den Piraten, das BBC-Signal punktgenau zu ersetzen. Die Aktion lief so sauber, dass die BBC zunächst ratlos war und erst später auf eine minderwertige Telefonleitung als Ersatz umschaltete.
Offiziell sprach die BBC von einer „technischen Störung“ und hielt den Vorfall weitgehend unter Verschluss. Dennoch wurden anschliessend Sicherheitsmassnahmen an unbemannten Sendeanlagen deutlich verschärft. Die Verantwortlichen hinter dem Hijack wurden nie identifiziert, allerdings meldete sich später ein Mann, der sich selbst „der Captain“ nannte, und behauptete, technischer Leiter der Aktion gewesen zu sein.
Das Video zieht ausserdem Parallelen zu weiteren mysteriösen Rundfunk-Eingriffen der 1970er-Jahre, darunter der bekannte Southern-Television-Hijack von 1977 (Hannington-Incident) sowie weitere illegale Ausstrahlungen. Besonders interessant ist der mögliche Zusammenhang mit der London Anti-Repeater Group (ARG), einer losen Gruppierung von Funkamateuren und Technikern, die in den 1970er-Jahren durch gezielte Störungen, Jamming und Satireaktionen auf Amateurfunk-Relais auffiel.
Der Beitrag zeigt eindrucksvoll, wie technisches Know-how, politische Motivation und eine Portion Anarchie in den 1970er-Jahren zu einem der ungewöhnlichsten Kapitel der Rundfunkgeschichte führten – mit Auswirkungen bis in den Amateurfunkbereich.
Quelle: YouTube @RingwayManchester
