75 Jahre HB9LU – Amateurfunk verbindet Technik, Menschen und die Welt
Seit 1951 bringt HB9LU Funkamateure aus der Region Luzern zusammen. Was einst mit sechs Funkamateuren begann, ist heute eine aktive Gemeinschaft mit rund 140 Mitgliedern. Zum 75-Jahr-Jubiläum zeigt sich: Amateurfunk ist alles andere als ein Relikt vergangener Zeiten.
Am 4. Oktober 1951 gründeten sechs Funkamateure die Ortsgruppe Luzern. Frank Acklin, HB9NL, Josef Hügi, HB9JO, Josef Huwyler, HB9MO, Heinrich Litschi, HB9LF, Ernst Siegrist, HB9IV, und Hans Wüest, HE9ROI, der später das Rufzeichen HB9OI erhielt, legten damit den Grundstein für die heutige Sektion HB9LU.
Die Geschichte reicht allerdings noch weiter zurück. Bereits 1937 hatten sich vier lizenzierte Funkamateure aus der Innerschweiz zur «Ortsgruppe Vierwaldstätte» zusammengeschlossen. Nach den Kriegsjahren entstand der Wunsch nach einer besser organisierten regionalen Gemeinschaft rund um Luzern. Im Mittelpunkt standen damals wie heute der Austausch technischer Erfahrungen, gemeinsames Funken und die Förderung des Amateurfunks.
Von den ersten UKW-Wettbewerben bis zum Verkehrshaus
Schon in den Anfangsjahren machte die Luzerner Gruppe auf sich aufmerksam. Zwischen 1956 und 1959 gehörte sie bei den UKW-Wettbewerben zur nationalen Spitze. Die damalige Technik war noch jung und bot entsprechend viel Raum für Experimente und technische Entwicklungen. Der Pokal, den HB9LU für diese aussergewöhnliche Leistung erhielt, existiert noch heute.
Ein weiterer Meilenstein folgte am 23. Januar 1965: Im Verkehrshaus der Schweiz wurde die Amateurfunkstation mit dem Rufzeichen HB9O in Betrieb genommen. Die Initiative ging von der USKA-Sektion Luzern und Seetal aus. Über Jahrzehnte konnten Besucherinnen und Besucher dort den Amateurfunk live erleben. Ende 2025 wurde die Station nach rund 60 Jahren eingestellt.
Auch ausserhalb des regulären Vereinsbetriebs war HB9LU immer wieder präsent. 2011 fand das USKA-Jahrestreffen, das sogenannte Hamfest, im Gersag in Emmen statt. 2025 war HB9LU während zehn Tagen an der LUGA und der tunZentralschweiz vertreten und konnte dort insbesondere jungen Menschen die Faszination von Funk, Elektronik und Technik näherbringen.
Und auch sportlich ist die Sektion erfolgreich: Beim CW Fieldday vom 6. und 7. Juni 2026 war HB9LU aktiv dabei in der Kategorie Multi Operator All Band High Power.
Technik, Ausbildung und Gemeinschaft
Der Zweck des Vereins ist klar: HB9LU fördert den Amateurfunk durch Nachwuchs-, Aus- und Weiterbildung, durch die Förderung von Technik und Funkbetrieb sowie durch Öffentlichkeitsarbeit und die Unterstützung von Aktivitäten und Projekten zugunsten des Amateurfunks.
Eine offizielle «Mission» gibt es zwar nicht, doch die Vereinsaktivitäten lassen sich gut unter einigen zentralen Begriffen zusammenfassen: begeistern, befähigen, experimentieren, Gemeinschaft schaffen und den Nutzen des Amateurfunks sichtbar machen.
Dazu gehören unter anderem HB3- und HB9-Ausbildungskurse sowie die Vorbereitung auf die BAKOM-Prüfung. Technisch geht das Engagement weit über das klassische Funkgerät hinaus. HB9LU betreibt beispielsweise Funkrelais, APRS-iGates, LoRa-iGates und HamNet-Infrastruktur und stellt diese den Funkamateuren zur Verfügung.
Auch der mögliche Nutzen in Krisensituationen spielt eine Rolle. Höher gelegene Relaisstandorte decken grosse Teile der Zentralschweiz ab und sind mit Akkus abgesichert. Damit können Funkamateure auch dann kommunizieren, wenn andere Kommunikationswege ausfallen.
Amateurfunk im Zeitalter von Smartphone und Internet
«Funken» klingt für manche Menschen zunächst nach einer Technik aus vergangenen Zeiten. Tatsächlich hat sich der Amateurfunk jedoch stark weiterentwickelt.
Heute gehören digitale Betriebsarten, Datenübertragung, Satellitenkommunikation und sogar Internet-Protokolle über Funk zum Hobby. Ein entscheidender Unterschied bleibt: Funkamateure können ihre Kommunikation unabhängig von einem kommerziellen Dienstanbieter durchführen.
Amateurfunk verbindet damit Tradition und moderne Technik. Sprache und Morsezeichen gehören ebenso dazu wie digitale Daten, Computertechnik, Software, Satellitenfunk oder digitale Bildübertragung.
Das Hobby ist entsprechend vielseitig. Manche Funkamateure möchten einfach mit Menschen aus aller Welt sprechen. Andere bauen Antennen, entwickeln technische Lösungen oder experimentieren mit digitalen Übertragungsverfahren. Wieder andere suchen die sportliche Herausforderung.
Hobby und Sport zugleich
Amateurfunk kann gemütliches Hobby und anspruchsvoller Wettkampf sein.
Bei Funkwettbewerben geht es darum, innerhalb einer vorgegebenen Zeit möglichst viele Stationen zu erreichen und Punkte zu sammeln. Es gibt nationale und internationale Ranglisten. Bei anderen Aktivitäten steht die technische Herausforderung im Vordergrund.
Beim Peilsport werden versteckte Sender mit einem Empfänger gesucht – ähnlich wie bei einem Orientierungslauf, allerdings ohne eingezeichnete Posten.
Beim SOTA (Summits on the Air) wird von Bergen aus gefunkt. In der Schweiz gibt es 1341 zugelassene SOTA-Gipfel, davon 21 im Kanton Luzern.
Und selbst extrem schnelles Morsen gehört zum Amateurfunk. Bei der Weltmeisterschaft 2024 wurden Geschwindigkeiten von bis zu 1126 Zeichen pro Minute erreicht.
Von Luzern in die ganze Welt
Je nach Frequenzbereich reichen die Funkverbindungen von wenigen Kilometern bis rund um den Globus.
Besonders faszinierend ist die Kurzwelle. Sie umfasst den Bereich von 3 bis 30 MHz und arbeitet mit Wellenlängen zwischen 100 und 10 Metern. Die Ausbreitung hängt dabei stark von der Ionosphäre und damit auch von der Sonnenaktivität ab.
So kann es möglich sein, mit nur wenigen Watt Sendeleistung Verbindungen bis in die USA aufzubauen. Im UKW-Bereich sind dagegen meist direkte Sichtverbindungen entscheidend. Von hoch gelegenen Standorten können auch hier Entfernungen von über 1000 Kilometern erreicht werden. Mit Hilfe von Amateurfunksatelliten lassen sich noch grössere Distanzen überbrücken.
Gerade diese Mischung aus Natur, Physik und Technik macht den Reiz des Hobbys aus.
Freie Kommunikation braucht Regeln
Amateurfunk ist kein rechtsfreier Raum. Wer senden möchte, muss eine Prüfung beim Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) bestehen und sich an Vorgaben zu Frequenzen, Sendeleistungen und Betriebsarten halten.
Verschlüsselte Botschaften sind im Amateurfunk grundsätzlich nicht erlaubt. Die Kommunikation soll mithörbar bleiben. Deshalb sind auch Funkamateure willkommen, die selbst keine Sendelizenz besitzen. Als sogenannte SWLs (Short Wave Listener) hören sie den Funkverkehr mit, führen teilweise eigene Logbücher und tauschen Empfangsbestätigungen, sogenannte QSL-Karten, aus.
Auch die verwendeten Abkürzungen sind international. So steht beispielsweise CQ für einen allgemeinen Anruf, QSL für eine Empfangsbestätigung und QTH für den Standort.
Das Rufzeichen HB9LU selbst ist das dem Verein vom BAKOM zugeteilte Rufzeichen. «HB» steht für die Landeskennung der Schweiz, die beispielsweise auch bei Schweizer Flugzeugen verwendet wird. Die «9» weist auf die höhere Amateurfunklizenz hin, während «LU» für die regionale Kennung steht.
Eine wachsende Herausforderung: Funkstörungen
Eine der grössten Herausforderungen für den Amateurfunk ist heute nicht fehlende Technik, sondern die zunehmende Zahl unerwünschter Funksignale.
Immer mehr elektronische Geräte erzeugen elektromagnetische Störungen. Bei Consumer-Elektronik wird häufig sehr stark auf die Kosten optimiert. Eine technisch aufwendigere Konstruktion könnte manche Störungen vermeiden, würde aber zusätzliche Bauteile und damit höhere Produktionskosten verursachen.
Das Problem betrifft nicht nur Funkamateure. Auch andere Funkdienste können durch elektromagnetische Störungen beeinträchtigt werden. Gleichzeitig wächst in höheren Frequenzbereichen der Druck durch kommerzielle Anwendungen und Satellitensysteme auf die verfügbaren Frequenzbereiche.
Eine Gemeinschaft für jedes Alter
Heute zählt HB9LU rund 125 aktive, 9 passive und 5 Gastmitglieder. Die Mitglieder kommen aus ganz unterschiedlichen Berufen: Lehrer, Ärztinnen und Ärzte, Elektromonteure, Informatiker, Banker, Chirurgen, Medizintechniker, Forscher, Flugzeugbauer, Funktechniker und viele weitere.
Das Durchschnittsalter liegt allerdings eher im oberen Bereich und wird auf rund 55 Jahre geschätzt. Nachwuchs ist deshalb ein wichtiges Thema. HB9LU versucht, über Veranstaltungen, die LUGA, die tunZentralschweiz, die eigene Website und Ausbildungskurse neue Menschen für das Hobby zu gewinnen.
Auch Frauen sind selbstverständlich willkommen. Historisch war Technik zwar lange stärker eine Männerdomäne, doch diese Zeiten sollen sich ändern. Im Amateurfunk werden Frauen häufig als YL – Young Lady und Männer augenzwinkernd als OM – Old Man bezeichnet.
Eine Altersgrenze gibt es nicht. Auch ausländische Personen, die in der Schweiz leben, können die Amateurfunkprüfung beim BAKOM ablegen.
Morsen ist nicht mehr Pflicht – aber noch immer faszinierend
Morsen war früher Bestandteil der Amateurfunkprüfung. Heute ist die Telegraphieprüfung nicht mehr vorgeschrieben. Trotzdem hat Morse seinen besonderen Stellenwert behalten.
Der Grund ist technisch: Morsezeichen benötigen nur eine sehr geringe Bandbreite. Dadurch können sie auch bei schwachen Signalen oder schwierigen Empfangsbedingungen noch verständlich sein, wenn Sprachübertragung bereits an ihre Grenzen kommt.
Mit wenigen standardisierten Zeichen und internationalen Abkürzungen lassen sich so weltweit Funkverbindungen herstellen – unabhängig davon, welche Sprache die Gesprächspartner sprechen.
Der Funkstamm als Treffpunkt
Neben dem Funkgerät ist auch der persönliche Austausch ein wichtiger Bestandteil des Vereinslebens.
Beim monatlichen Funkstamm treffen sich Menschen mit unterschiedlichsten Interessen. Die einen beschäftigen sich mit Kurzwelle, andere mit UKW, Antennenbau, Satellitenfunk oder digitalen Betriebsarten. Gemeinsam ist ihnen die Begeisterung für Technik und Kommunikation.
Hinzu kommen wöchentliche Funkrunden und kleinere Treffen, zwei Outdoor-Funkwettbewerbe pro Jahr, ein Grilltag sowie gemeinsame Besuche der internationalen Amateurfunkmesse HAM RADIO in Friedrichshafen.
Vom Verkehrshaus zum eigenen Funkgerät
Für viele Funkamateure beginnt die Faszination schon in jungen Jahren. Auch bei mir war ein Besuch im Verkehrshaus der Schweiz prägend.
In der damaligen Kommunikationshalle faszinierte mich die Amateurfunkstation. Die Geräusche des Funkverkehrs und eine Anzeige, welche Morsezeichen in Schrift übersetzte, hinterliessen einen bleibenden Eindruck.
Zu Hause gab es damals keinen Fernseher, dafür einen kleinen Radioempfänger mit Kurzwellenbereich. Tagsüber war häufig nur Rauschen zu hören, nachts kamen plötzlich Radiostationen aus aller Welt herein. Diese Erfahrung weckte den Wunsch, eines Tages selbst funken zu können.
In den 1980er- und 1990er-Jahren folgten erste Erfahrungen mit CB-Funk. Auch Packet Radio, also die digitale Datenübertragung über Funk, war bereits möglich – zu einer Zeit, als das Internet für die breite Bevölkerung noch keine Rolle spielte.
Im Dezember 1998 war es dann so weit: Nach einem Funkamateurkurs in Luzern bei HB9BOX legte ich beim BAKOM in Biel meine Prüfung ab.
Ein Hobby, das weit über das Funkgerät hinausgeht
Über viele Jahre nahm ich an den jährlichen 6-7 UKW-Funkwettbewerben teil. Die Wettbewerbe dauerten jeweils bis zu 24 Stunden und verlangten nicht nur technisches Wissen, sondern auch Teamarbeit, Ausdauer und Konzentration.
Dabei entstand Wissen über Kommunikationstechnik, Antennen, Computer und die physikalischen Eigenschaften der Funkwellenausbreitung. Vieles davon erwies sich auch im Berufsleben als wertvoll.
Der Reiz des Amateurfunks liegt für mich aber ebenso in den persönlichen Begegnungen. So entstand über den Funkkontakt eine Freundschaft zu einem stark sehbehinderten deutschen Paar. Während eines Ferienaufenthalts in der Region Luzern wurde daraus schliesslich ein persönliches Treffen und eine gemeinsame Entdeckung der Stadt.
Amateurfunk verbindet damit nicht nur Technik und Menschen über grosse Distanzen. Er kann auch Menschen zusammenbringen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären.
75 Jahre HB9LU – und die Zukunft bleibt spannend
Was 1951 mit sechs Funkamateuren begann, ist heute eine vielseitige Gemeinschaft, die Technik, Sport, Ausbildung und internationale Kommunikation miteinander verbindet.
Die Geräte haben sich verändert. Aus einfachen Funkgeräten sind hochentwickelte Systeme mit Computern, Software und digitalen Übertragungsverfahren geworden. Geblieben ist jedoch die Grundidee: Menschen kommunizieren miteinander, experimentieren mit Technik und lernen dabei ständig Neues.
Dabei ist Amateurfunk ein Hobby, das sich praktisch jedem Lebensabschnitt anpassen lässt. Man kann einfach zuhören, gelegentlich ein Funkgespräch führen, an Wettbewerben teilnehmen, eine Antenne selbst bauen oder sich intensiv mit Elektronik und Software beschäftigen.
Und es ist ein Hobby, das bis ins hohe Alter ausgeübt werden kann. Menschen mit unterschiedlichen Interessen, Berufen und Fähigkeiten finden darin einen gemeinsamen Treffpunkt.
75 Jahre HB9LU sind deshalb nicht nur ein Blick zurück auf eine bewegte Vereinsgeschichte. Sie zeigen auch, dass Funk trotz Smartphone und Internet nichts von seiner Faszination verloren hat. Im Gegenteil: Zwischen analoger Tradition, digitaler Kommunikation, Selbstbau und modernster Technik bietet der Amateurfunk auch heute noch unzählige Möglichkeiten, Neues zu entdecken.
Die Geschichte von HB9LU ist damit längst nicht zu Ende. Die nächste Generation von Funkamateuren darf sie weiterschreiben.
Vy 73 de Beat, HB9THJ, Redaktor HB9LU
